DaZ-Lerner im Fachunterricht

Übergang in die Regelklasse

Situation von DaZ-Lernern Situation von DaZ-Lernern

Alle Lehrkräfte wissen darum, dass der Flüchtlingszustrom eine Zeitenwende in Bildung, Erziehung, Schulkultur, Schule und Unterricht einläutet. Mutmaßungen und Fragen gibt es reichlich, Konzepte und konkrete Vorstellungen kaum und Befürchtungen allerorten. Fachlehrkräften, die ohne Vorbereitung DaZ-Lerner in die Regelklasse übernehmen, stellt sich eine zentrale Frage:

Was soll ich als Fachlehrer tun, wenn ...

  • Schüler nur rudimentär Deutsch sprechen,
  • kaum ein Satz grammatikalisch richtig ist,
  • die Schüler nicht im deutschen Sprachbad leben,
  • den Schülern basale Deutschkenntnisse fehlen,
  • die Schüler nicht vollalphabetisiert sind,
  • die Schüler aus einem extrem, bildungsfernen Elternhaus kommen,
  • kein Allgemeinwissen haben,
  • jeder Schüler andere Probleme hat?

DaZ-Lerner haben doppelte Hürden zu überwinden. Einerseits müssen sie die deutsche Alltagssprache lernen und gleichzeitig am Fachunterricht mit den spezifischen Sprachhürden teilnehmen. DaZ-Lerner stehen auf der Treppe der sprachlichen Herausforderungen weit unten, aber möglicherweise auf der Treppe der kognitiven Herausforderungen oben.

"Sprachlich weit überfordert, kognitiv ggf. unterfordert.“

Daraus erwächst ein für das Lernen gravierendes Problem: Sprachlich weit überfordert, kognitiv ggf. unterfordert. Dadurch können die Lerner nicht altersgemäß mitlernen und nicht entsprechend ihren Möglichkeiten gefördert werden. Da sich Fach- und Sprachlernen gegenseitig bedingen, kann das eine nicht ohne das andere stattfinden, sondern muss sich gleichzeitig synchron entwickeln. Rasche Sprachfortschritte sind zwingend, damit sich das Fachlernen gut entwickelt.

DaZ-Lerner auf der Treppe der kalkulierten Herausforderung DaZ-Lerner auf der Treppe der kalkulierten Herausforderung

Ihre Möglichkeiten als Fachlehrer

  • Sie sind der Fachlehrer nicht der DaF-Lehrer.
  • Sie sind nicht für rasches Deutschlernen zuständig und verantwortlich.
  • Sie sind für die Sprachförderung in Ihrem Fach zuständig und verantwortlich.
  • Sie müssen dafür sorgen, dass Schüler in einem großen sprachsensiblen Sprachbad sind.
  • Sie müssen mit sehr einfachen Methoden-Werkzeugen erste Sprachfortschritte erzielen.

Was Sie unbedingt tun sollten

  • Schülern etwas zutrauen und zumuten (Hattie),
  • Verständnis und Sensibilität für die Sprachprobleme haben,
  • ein Gespür und eine Sensibilität für die typischen Sprachprobleme und Sprachfehler der Daz-Lerner je nach deren Muttersprache entwickeln,
  • ein Gespür und eine Sensibilität für typische Sprachfehler in meinen Fächern entwickeln.

Wovon Fachlehrkräfte die Finger lassen sollten

  • von grammatischer Nachhilfe, weil sie davon zu wenig verstehen,
  • von belehrenden Fehlerkorrekturen, weil sie demotivieren und für das Weiterlernen fatal sind,
  • von isolierten, didaktisch begründeten nicht Übungen, weil das Geübte in kommunikativen Situationen nicht verwendet wird,
  • von einseitigem Strategie- und Methodentraining, weil es den vielfältigen Erwerbsprozessen nicht gerecht wird.

Beim Übergang von DaZ-Lernern in die Regelklasse sollten Fachlehrkräfte die Möglichkeiten verschiedenster Darstellungsformen nutzen, um Fachlernen und Fachverstehen zu ermöglichen.

"Gerade gegenständliche, bildliche und formal symbolische Darstellungsformen können auch mit geringen Deutschkenntnissen bewältigt werden..“

Gerade gegenständliche, bildliche und formal symbolische Darstellungsformen können auch mit geringen Deutschkenntnissen bewältigt werden. Andererseits bieten sich hier wiederum gute Möglichkeiten zur Verbalisierung, wenn Sprechmuster als Sprachhilfen beigefügt werden. Die folgenden Empfehlungen sollten unbedingt beachtet werden:

  • Artikel und Pluralendungen angeben,
  • Sprech- und Denkblasen einfügen,
  • Wortgeländer nutzen,
  • Begriffserläuterungen und Synonyme nutzen,
  • den Wortschatz erweitern,
  • in verschiedenen Sprachniveaus sprechen.

Von den im Handbuch (Leisen 2013) ausführlich beschriebenen vierzig Methoden-Werkzeuge tun die rot markierten bei DaZ-Lernern gute Dienste. Die Anforderungen an die alltagssprachliche Kompetenz dürfen nicht zu groß sein, damit es nicht zur fachlichen und sprachlichen Überforderung kommt. Für das Fachlernen ist eine fachsprachlich engere Führung anhand von Satzmustern und Standardformulierungen erfolgversprechender.

Methoden-Werkzeuge für DaZ-Lerner im Fachunterricht Methoden-Werkzeuge für DaZ-Lerner im Fachunterricht Methoden-Werkzeuge für DaZ-Lerner im Fachunterricht

Manche Fachlehrkräfte formulieren mit Recht ihre Erfahrung: „Wenn es doch bloß die Sprachprobleme wären. Viel problematischer und schwieriger sind die kulturellen Differenzen.“ Jede einzelnen Lehrkraft und die Schule als Institution wird mit der folgenden kritischen Frage konfrontiert: In wie weit wollen/ müssen/ sollen/ dürfen/ können wir auf ein anderes Lern- und Bildungsverständnis der Migranten Rücksicht nehmen/ tolerieren/ eingehen/ ... und umgekehrt?

  • Bildungsverständnis: Wissen vs. Verstehen
  • Lernverständnis: Pauken vs. Kompetenzentwicklung
  • Lehrverständnis: frontal vs. kooperativ
  • Erfolgsverständnis: Notenfixierung statt Lernprozess
  • Autoritätsverständnis: Geschlecht und Alter
  • Rollenverständnis: Lehrer – Schüler – Eltern
  • Erziehungsverständnis: autoritär vs. selbstbestimmt